Landtagsabgeordneter für Dithmarschen-Nord
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29.05.2008, 00:00 Uhr | Übersicht | Drucken
Karsten Jasper: Das Handwerk ist das Rückgrat der Wirtschaft

In der heutigen Landtagssitzung sagte Karsten Jasper zum TOP 9:

„Ich bedanke mich bei der Landesregierung und allen Beteiligten für die fast einhundert Seiten starke, sehr detaillierte Darstellung zur Lage des Handwerks.

Das Handwerk ist gerade für das Wirtschaftsland Schleswig-Holstein ein bedeutender Wirtschaftszweig. Das Handwerk besteht aus mittelständisch geprägten Unternehmen, in den meisten Fällen aber aus Klein- und Kleinstbetriebe. Das Handwerk ist das Rückgrat der schleswig-holsteinischen und deutschen Wirtschaft.


Die Handwerksbetriebe sind in allen Gebieten Schleswig-Holsteins und hier besonders auch in strukturschwachen Regionen vertreten. Die sich daraus ergebene Kundenähe ist im Bereich des Handwerks traditionell. Für den strukturschwachen Raum ist ein wirtschaftliches gesundes Handwerk unbedingt notwenig:

— Denn als Arbeitgeber vor Ort prägen gerade die Handwerksbetriebe maßgeblich die soziale und gesellschaftliche Struktur auf dem Lande und in den Dörfern.

Die Umsatzentwicklung des Handwerks war in den letzten sieben Jahren unbefriedigend. Trotz erheblicher Kostensteigerungen hat sich der Umsatz in den letzten Jahren um fast 1,0 Milliarden Euro verringert. Mit der Folge, dass viele Betrieb nicht weitergeführt werden konnten.

Durch die positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung seit 2006 ist ein leichter Aufwärtstrend unverkennbar. Auch durch neue Technologien, davon konnte ich mich vor einigen Tagen auf den ‚Dithmarscher Bauhandwerkertagen’ selbst überzeugen, versucht man gerade im Bereich Gebäudesanierung und Energieeinsparung neue Umsätze zu generieren.

Das Handwerk ist personalintensiv, in den meisten Fällen familiengeführt und erbringt eine hohe Ausbildungsleistung, gerade für Schüler mit Hauptschulabschluss. Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, muss dieser positive wirtschaftliche Trend durch eine mittelstands- und vor allen Dingen handwerksfreundliche Politik, weiter verstärkt werden.

Aus Sicht des Handwerks ergeben sich hieraus logischerweise die Forderungen nach Senkung der Lohnnebenkosten, Erleichterung von Betriebsübergaben und die Erhöhung des Steuerbonus bei handwerklichen Leistungen. Vermehrt habe ich in letzter Zeit immer wieder Klagen über zahlreiche administrative Hürden vernommen. Handwerksbetriebe klagen zunehmend über statistischen Pflichten und über immer mehr Verordnungen und Gesetze, die dem Handwerk das Leben schwer machen. Gerade in diesen Bereichen ist die Bundes- und Landespolitik gefordert!

Das Handwerk ist einer der wichtigsten Ausbilder von jungen Menschen in unserem Land:

— Pro Jahr werden zirka 18.000 Jugendliche in über 8.000 Betrieben ausgebildet.

Seit 2007 haben wir einen echten Zuwachs an Ausbildungsstätten, plus 10,6 Prozent neu abgeschlossene Ausbildungsverträge und nach Aussage einer Pressemitteilung der Handwerkskammern vom 12. Mai 2008 teilt Präsident Carsten Jensen, ein nochmaliges Plus von fast ein Prozent im ersten Quartal 2008 mit. Mit Stand vom 30. April 2008 sind insgesamt fast 1.400 neue Ausbildungsverträge geschlossen worden. Trotzdem muss das Handwerk damit rechnen dass etliche Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.

Die Betriebe haben erkannt, dass das beste Mittel zur Sicherung zukünftiger Nachwuchskräfte die eigene Ausbildung ist.

Der Anteil der Auszubildenden im Handwerk in Schleswig-Holstein liegt bei zirka 35 Prozent.

2006: 6.465 neue Ausbildungsplätze
2007: 7.151 neue Ausbildungsplätze

Ein hervorragendes Ergebnis unserer Handwerksbetriebe in Schleswig-Holstein.

Mit dieser Leistung unterstreicht das Handwerk sein großes gesellschaftliches Engagement um den Fachkräftemangel aus eigener Kraft zu beheben.

Gerade die zahlreichen Berufe im Handwerk bieten den Jugendlichen mit Hauptschulabschluss eine Perspektive auf eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Jugendliche mit einem schwächeren Schulabschluss finden in den Berufen mit zweijähriger Ausbildung, unterhalb der Gesellenprüfung, durch diese Ausbildung eine Chance sich in der Praxis unter Beweis zu stellen. Die Landesregierung bewertet die Erfahrungen mit der zweijährigen Ausbildung (z. B. Hoch- und Tiefbaufacharbeiter, Kfz-Servicetechniker) als sehr positiv.

Eine weitere Forderung des Handwerks ist, dass ein regional gut verteiltes Angebot der verschiedenen Ausbildungsberufe an leistungsstarken Berufsbildungszentren vorgehalten wird. Die duale Berufsausbildung gilt international als vorbildlich. Diesen Standortvorteil müssen wir erhalten und weiter stärken. Dazu gehört aber auch, dass von Seiten der allgemein bildenden Schule, die Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger gewährleistet ist.

Diese spürbare Verbesserung des Ausbildungsplatzangebotes wird erheblich durch die Landesregierung Schleswig-Holstein unterstützt. Gemeinsam mit den Handwerkskammern, dem „Wirtschaftsverband Handwerk“, der Arbeitsagentur und den Gewerkschaften engagiert sich die Landesregierung im „Bündnis für Ausbildung“. Gerade durch dieses Bündnis sowie den Ausbildungsakquisiteuren und -beratern ist eine spürbare Verbesserung der Ausbildungssituation eingetreten.

Mit vielen einzelnen Maßnahmen aus dem ‚Zukunftsprogramm Wirtschaft’, von denen Minister Austermann bereits einige nannte, trägt das Land maßgeblich zum Ausbildungserfolg bei.

Deshalb sollten alle der hier Anwesenden großes Verständnis für die Beibehaltung dieser Fördermaßnahmen entgegenbringen.

Trotz der Ausbildungserfolge gibt es im Bereich des Handwerks vielschichtige Problemfelder. So bereitet der Rückgang bei den Meisterprüfungen den Handwerkskammern große Sorgen. Weniger Meisterinnen und Meister verstärken die vorhandenen Probleme bei der Übergabe von Betrieben an die jüngere Generation.

Dieser Entwicklung muss mit kreativen Maßnahmen entgegengewirkt werden. Die Anerkennung des Meistertitels als Hochschulzulassungsvoraussetzung ist ein richtiger Schritt in diese Richtung.

Schon fast traditionell ist die Eigenkapitalquote des Handwerks gering. Dies aber ist bei Basel II und den Rankings der Kreditinstitute ein wichtiger Indikator für die Bonität der Betriebe. Oftmals sind dann die hohen Zinslasten, die ein Unternehmen zu tragen hat, nicht mehr über die Erträge zu erzielen.

Somit ist die Sicherstellung der Kreditversorgung für die Betriebe eine vorrangige Aufgabe der Politik. Dies muss auch durch den Erhalt regional verankerter und vor allen Dingen leistungsstarker Kreditinstitute speziell in der Fläche gewährleistet sein.

Gerade bei kleineren Unternehmen (bis 1,0 Millionen Euro Umsatz) müssen wir zu weiteren Verbesserungen der Finanzierungsbedingungen durch die Landesförderinstitute kommen.

Die Probleme bei kleineren Unternehmen sind nach Aussage der Förderinstitute allerdings oft mangelhaft eingereichte Unterlagen, nicht ausreichendes Eigenkapital und unternehmerischer Defizite. Dies führt dann oft zu ablehnender Förderbescheide.

Hier sind die Kammern und externe Beratungsunternehmen gefordert, die Anpassungsbereitschaft und Professionalisierung der Betriebe voranzutreiben. Dies ist bereits in der Vergangenheit geschehen, muss aber weiter forciert werden. Ebenso muss überlegt werden, wie die Antragsverfahren weiter vereinfacht werden können.

Ein Drittel aller Handwerksbetriebe müssen in den nächsten fünf Jahren ihre Nachfolge regeln. Eine großer Herausforderung, die auch die Kammern mit großer Sorge verfolgen. Aufgrund der vorhin angesprochenen sinkenden Meisterprüfungen und der bekannten Risiken, wird hier in den nächsten Jahren seitens der Kammern keine Endspannung erwartet.

Aber gerade hierauf hat die jetzige Landesregierung ihre Finanzierungs- und Förderangebote angepasst.

Durch Beteiligungs-, Darlehns- und Bürgschaftsangebote der Investitionsbank, der MBG und der Bürgschaftsbank können wirksam Übernahmefinanzierungen einfließen. Grundvoraussetzung bei allen Fördermitteln ist allerdings ein tragfähiges Unternehmenskonzept.

Mit Hilfe der eben angesprochenen Institute I-Bank, MBG und Bürgschaftsbank sind in dem Zeitraum von 2000 bis 2007 Handwerksbetriebe mit zirka 1.100 Finanzierungsmaßnahmen in einer Größenordnung von 132,5 Millionen Euro unterstützt worden, mit denen rund 12.800 Arbeitsplätze gesichert und 1.600 Ausbildungsplätze neu geschaffen werden konnten

Neben der Einzelbetrieblichen Förderung gingen Mittel aus dem ‚Zuwendungsprogramm Wirtschaft’ selbstverständlich auch in die überbetriebliche Förderung wie

— Lehrlingsunterweisung, Förderung der überbetrieblichen Ausbildung, Förderung von Ausbildungsstätten

Abschließend möchte ich mich an Innenminister Hay wenden:

Sehr geehrter Herr Minister, ich bitte Sie und Ihre Mitarbeiter beim Entwurf des Landentwicklungsplans im Interesse des Handwerks, dass Neuansiedlungen und Weiterentwicklungen von Betrieben nicht an überzogenen Umweltschutzrichtlinien scheitern. Das Gestaltungs- und Planungsspielräume ausgeschöpft werden. Aber vor allen, dass die Acht-Prozent-Klausel bei Wohngebietsentwicklung im Interesse des Handwerks gerade im ländlichen Raum zurückgenommen werden.

Wir brauchen Kompromissbereitschaft für eine in die Zukunft gerichtete Wirtschaftspolitik gerade in den strukturschwachen Räumen.“

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